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Vom Amt zum Unternehmen: 45 Jahre IT-Dienstleistungen für das Land Berlin

1969

Die Gründung des Landesamtes für Elektronische Datenverarbeitung (LED) erfolgt durch Senatsbeschluß Nummer 1794/69 vom 8. Juli 1969. Erster Amtsleiter wird der 38-jährige Dipl. Math. Eckhard Fuchs. Als Datenverarbeitungsanlage (DVA): ICL 1905 mit 64 K-Worte Kernspeicher im Zweischichtbetrieb.

Mit Wirkung 10. Juli 1969 wurde das LED in der Senatsverwaltung für Inneres eingerichtet.

Gründung des Landesamtes für Elektronische Datenverarbeitung (LED)

Verwendete Programmiersprachen sind PLAN IV und COBOL. COBOL wird zur Standardprogrammiersprache des LED erklärt.

Der Einsatz der ADV im Kraftfahrzeugwesen beginnt im Jahre 1969 mit einem Modellversuch, in dessen Rahmen die technischen Möglichkeiten zur Erleichterung und Verbesserung der Erfüllung von Zulassungs-, Auskunfts- und Fahndungsaufgaben erprobt werden. Das Verfahren wurde als "Berliner Modell" von dem Bundesminister für wissenschaftliche Forschung anerkannt und unterstützt.

Der im LED installierte Maschinenpark entsteht im wesentlichen durch Zusammenlegung der Rechenzentren des Landesverwaltungsamtes, des Statistischen Landesamtes und des Senators für Bau- und Wohnungswesen. Dabei wurden Anlagen unterschiedlicher Hersteller zusammengeführt, die untereinander nicht oder nur teilweise programmkompatibel sind. So ergibt sich die Notwendigkeit, zahlreiche Programme in zeitaufwendigen Simulations- und Emulationsverfahren ablaufen zu lassen.

Was zuvor geschah...

IBM 650

IBM (Internationale Büro-Maschinen Gesellschaft m.b.H.) Type 650 mit Zusatzmaschinen: Magnetband-Einheiten, Schnellspeicher und Drucker (1956)

1965 entscheidet sich die Berliner Verwaltung grundsätzlich für eine dezentralisierte Datenerfassung (Übertragung der Daten in maschinenlesbare Form) auf Lochstreifen. Sie wird überwiegend eingeführt, daneben aber - soweit notwendig - eine in der zentralen Datenverarbeitung konzentrierte Lochkartenerfassung beibehalten. Beide Erfassungsverfahren entsprechen nicht den neuen Techniken, die inzwischen angeboten werden: Datenerfassung auf Magnetband, Beleglesung und Dateneingabe über Terminals.

Lochkarte

Foto: c - Lochkarte

Foto: Archiv - Lochkartenmesslehre

Foto: Archiv - Messlehre zum Prüfen von Lochkarten

Das Landesverwaltungsamt, das der Senatsverwaltung für Inneres untersteht, verfügt 1966 mit einer Kapazität von 28.000 Worten auf zwei Multiverarbeitungsanlagen über das größte Rechenzentrum Europas.

Am Rande bemerkt

Der zentralistische Computer

Noch steckt die Programmierung von Verwaltungsvorgängen, die elektronische Verarbeitung behördlicher Daten in den Kinderschuhen, da stellt sich die Preisfrage, ob diese Kinderschuhe auf dem richtigen Dienstweg sind und nicht auseinanderlaufen. Der Rechnungshof hat in seinem Prüfungsbericht die Gefahr angesprochen. "Der Senat hat schon einen Computer zuviel", lautete im April unsere zugespitzte Schlagzeile. Der Rechnungshof hatte beispielsweise den eigenen Computer der Bauverwaltung als überflüssig bezeichnet und gewarnt, daß elektronische Eigenbrödelei der verschiedenen Verwaltungszweige dem angestrebten Rationalisierungszweck zuwiderlaufen könnte. Der Senat hat darauf von der Innenverwaltung einen Bericht über die Planung der Datenverarbeitung angefordert, der vorgestern auf der Tagesordnung stand. Die Beratung wurde jedoch auf Anfang September verschoben, weil man nicht über den Kopf abwesender Senatoren hinweg BeschIüsse fassen wolIle. Der Senatsdirektor der Innenverwaltung, Sünderhauf, stimmte im Gespräch unserer Formulierung zu, die Anwendung der Elektronik in der Verwaltung schreie geradezu danach, intensiver und so zentral wie möglich angepackt zu werden.

Die Bauverwaltung hat ihren Computer inzwischen der Innenverwaltung unterstellt und sich nur bestimmte Arbeitsgänge für eigene Berechnungen ausbedungen. Die vorhandenen Computer in der zentralen Datenverarbeitung (Innenverwaltung, Landesverwaltungsamt, Landesamt für Statistik), für die Eigenbetriebe und für die Finanzverwaltung hält Sünderhauf noch für wirtschaftlich, räumt aber ein, daß sie bisher nicht vollständig ausgenutzt sind. Mit der Planung sind drei speziell ausgebildete Beamte der Innenverwaltung beschäftigt. 63 arbeiten an der zentralen Datenverarbeitungsanlage, wo beispielsweise Gehälter, Versorgungsbezüge oder Wohngeldbeträge errechnet werden. Als nächstes soll unter anderem die Betriebsabrechnung der Krankenhäuser hinzukommen.

Um eine rationelle Zentralisierung sicherzustellen, sieht Sünderhauf zwei Wege. Der eine wäre, durch Änderung der Verfassung und des Bezirksverwaltungsgesetzes unsere kommunale Struktur sozusagen up to Datenverarbeitung zu bringen. Denn es gebe tatsächlich Senatoren, die im zentralen Elektronengehirn eine Gefahr für ihre von der Verfassung garantierte Selbstständigkeit des Geschäftsbereiches sehen. Die Chance für eine solche Lösung durch Zwang wird bei der augenblicklichen inneren personellen Krise des Senats als gering angesehen. Der zweite Weg wäre eine pragmatische Vereinbarung aller Senatsabteilungen und der Bezirke über eine sachliche Bündelung bestimmter Aufgaben, um nicht die Elektronik durch einen Computer-Föderalismus ad absurdum zu führen. Als Beispiel für solchen Pragmatismus nennt Sünderhauf die bereits praktizierte zentrale Wohngeldberechnung, bei der dem Computer aufgegeben wird, die jeweilige Firma, sprich Bezirk, nicht zu vergessen.

Aus alledem ist zu ersehen, wie sehr die Kybernetik, die Lehre von den Steuerungsvorgängen, bei ihrer technischen Anwendung nicht nur am Computer selbst des Steuermanns und der rechtzeitigen Kursbestimmung bedarf. Die Elektronik verlangt sogar psychische Vorleistungen wie etwa Prestige-Verzicht. Man darf gespannt sein, wie sich Senatoren und Stadträte "programmieren" lassen.

-thes

Eine der berühmten Glossen von Günter Matthes in "Der Tagesspiegel" vom 3. August 1967

In einem Rundschreiben zur "Automation in der Berliner Verwaltung" wird bekannt gemacht, dass der Senat in seiner Sitzung am 6. Februar 1968 Fragen der Planung und Koordinierung der Automation in der Berliner Verwaltung beraten und beschlossen (Senatsbeschluß Nr. 653/1968) hat:

"[...] Planungsentscheidungen auf dem Gebiete der Einführung und Fortführung der elektronischen Datenverarbeitung in bezug auf Organisation, Verfahren und Einsatz von technischem Gerät bedürfen für den Gesamtbereich der Berliner Verwaltung der Zustimmung des Senators für Inneres. [...] Zur Vorbereitung der Entscheidungen ist bei dem Senator für Inneres aus den beteiligten Verwaltungen eine möglichst kleine und damit arbeitsfähige Planungsgruppe zu bilden. In dieser Planungsgruppe wird der Rat der Bürgermeister durch drei Bürgermeister vertreten sein."

(Dienstblatt des Senats von Berlin Teil I vom 6. Februar 1968)