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Resozialisierung durch Digitalisierung – aber sicher.

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V.l.n.r.: Dr. Dirk Behrendt Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, Prof. Dr. Manfred Hauswirth Institutsleiter Fraunhofer FOKUS, Jens Fromm, stellvertretender Vorstand ITDZ Berlin, Martina Gerlach, Staatssekretärin für Justiz, Lutz Nentwig Fraunhofer FOKUS, Christian Reschke Teilanstaltsleiter JVA Heidering, Prof. Dr. Johannes Meyser, Geschäftsführer IBI

Wie Insassen von Haftanstalten digitale Medien nutzen können und dabei sicherheitstechnische Bedingungen eingehalten werden, das untersucht, mit Unterstützung des IT-Dienstleistungszentrums Berlin (ITDZ Berlin), ein aktuelles Forschungsprojekt des Fraunhofer FOKUS Instituts und dem IBI - Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz.

Digitale Bildungs- und Freizeitangebote können im Haftalltag zur Resozialisierung beitragen. Die Technik, die dahinter steckt, muss unter sicherheitstechnischen Aspekten viel leisten können. Die Nutzung der digitale Medien muss den Insassen der Haftanstalten freigestellt und ein gleichzeitiger Missbrauch ausgeschlossen sein. Ob zur Weiterbildung, Freizeitgestaltung oder für eine Bewerbung in der Zeit nach der Haft – der Zugang zu digitalen Medien ist für Gefängnisinsassen heute nur sehr eingeschränkt in speziellen Computerräumen möglich. Mit der tatsächlichen Lebenswirklichkeit und der rasant voranschreitenden Digitalisierung aller Lebensbereiche hat das wenig zu tun. Damit genau diese digitale Kluft nicht zu einem zusätzlichen Hemmnis für die Resozialisierung gerät, wird aktuell untersucht, wie sich der Zugang zu ausgewählten digitalen Inhalten über mobile Endgeräte unkompliziert und sicher in den Haftalltag einbinden lässt.
Neben pädagogischen und organisatorischen Aspekten sind es vor allem Sicherheitsfragen, die die Forscher vom Fraunhofer-Institut FOKUS und IBI Institut sowie die Experten beim IT-Dienstleistungszentrum Berlin beschäftigen. Einerseits muss Missbrauch verhindert werden, andererseits lassen hohe Sicherheitsauflagen in Justizvollzugsanstalten wenig Spielraum für bauliche Veränderungen. Zudem muss sichergestellt sein, dass die Geräte nur zu den eigens definierten Zwecken, etwa dem Zugriff auf eine Offline-Enzyklopädie, für Schulungsangebote, dem Stellen von internen Anträgen oder zum Mailverkehr genutzt werden und kein freier Zugang zum Internet möglich ist.

Um sowohl den administrativen Aufwand für die Beschäftigten als auch die Projektkosten gering zu halten, setzen die Forscher, wo es möglich ist, auf erprobte Standardprodukte. Dies ist auch in Bezug auf die Einbindung in die Gesamtinfrastruktur sinnvoll. Neben der Möglichkeit zur Online-Buchung eines Sportkurses, muss schon heute perspektivisch die Digitalisierung weiterer Verwaltungsprozesse im Strafvollzug mitgedacht werden. Nicht zuletzt spielt eine Einbindung aller Beteiligten eine wichtige Rolle, damit die Innovationen auch Akzeptanz finden, sowohl bei den Gefangenen als auch den Angestellten.

Der Start des Forschungsprojektes mit ausgewählten Gefangenen ist für diesen Winter geplant. Das Projekt soll zeigen, inwiefern die neuen Angebote sich als alltagstauglich und nachnutzbar für weitere Haftanstalten erweisen.